Gerne nimmt die SP Bern-Nord Stellung zu den ihr Sektionsgebiet betreffenden Abschnitten des Berichts zur Aareraumplanung 6.53 Mb.
1. Grundsätzliches
1.1 Verhältnis zum Mitwirkungsbeitrag der SP der Stadt Bern
Wir verweisen ergänzend auf den Mitwirkungsbeitrag der SP der Stadt Bern. Der vorliegende Beitrag setzt sich vor allem mit dem Aareraum im Bereich des Stadtteils
V auseinander.
1.2 Verbindlichkeit der Aararaumplanung
Diese Planung - wie auch vorangehende Planungen im Bereich Freiraum - sind qualitativ
hoch stehend. Im Kontrast dazu stellen wir fest, dass der Freiraum bei Interessenkollisionen
in der Stadt Bern allzu oft hinten an gestellt wurde. Insbesondere
erinnern wir uns an einen „Bericht Allmenden“ aus den Jahren 1971/72, welcher
durch die bauliche Entwicklung des Messeplatzes Bern und seiner Umgebung richtiggehend
pulverisiert worden ist. Wir hoffen, dass die vorliegende Planung mehr Gewicht
haben wird.
Durch die von der SP geforderte, zonenrechtliche Sicherung von Teilen dieser Planung
und der Einstellung einer Auswahl von Massnahmen im Finanzplan, könnte die
Stadt Bern den Tatbeweis dafür erbringen, dass sie die Freiraumplanung genauso
stark gewichtet wie andere Planungen.
1.3 Konflikte dieser Planung mit gewissen Nutzungen
Der Aareraum kann bis heute zu einem grossen Teil mit einer Allmend verglichen
werden. Diese Eigenschaft muss erhalten bleiben, oder dort, wo sie verloren ging, ist
sie möglichst wieder zurück zu gewinnen. Wir legen Wert auf eine möglichst breite
Nutzung mit Naherholungscharakter. Das heisst, dass einerseits die Anzahl Parkplätze
im Aareraum reduziert und andererseits die Zugänglichkeit für zu Fuss Gehende
verbessert werden muss. Privatisierungen jeder Art von Teilen des Aareraumes lehnen
wir ab. In Frage käme höchstens ein zusätzliches Restaurant an der Aare, freilich
ohne Beeinträchtigung des freien Zuganges zur Aare (negatives Beispiel: das
Restaurant bei der Fähre Reichenbach).
a) Wasserfahrer
In den 80er Jahren stellte die Stadt Bern im Rahmen des See- und Flussufer-
Gesetzes (SFG) ein sehr interessantes Projekt zur Diskussion: Zwischen dem Lorrainebad
und dem Gassner-Areal sollte die rigorose Kanalsituation der Aare aufgebrochen
und ein natürlicherer Zustand des Aareufers angestrebt werden. Insbesondere
sollte eine kleine Insel mit einem zusätzlichen kleinen Aarelauf geschaffen werden.
Die Wasserfahrer haben dagegen opponiert und die Stadt verzichtete in der Folge
auf die Umsetzung dieses Projektes. Wir hoffen, dass sich solches bei der vorliegenden
Planung nicht wiederholt. Es darf nicht sein, dass partikuläre Interessen (Aare
als Sportnutzung) ein derartiges Gewicht erhalten. Deshalb wundern wir uns über
die Tatsache, dass Konflikte dieser Art im Bericht nicht explizit thematisiert worden
sind.
b) Veloverkehr/Autoverkehr
Zum Konflikt Fussgängerverkehr/Veloverkehr im Aareraum müssen Lösungen vorgeschlagen
werden. Im Rahmen des Projekts Hochwasserschutz zwischen Thun und
Bern wird versucht in dieser Thematik eine einheitliche Lösung zu finden. Es wäre
sinnvoll, wenn die Stadt Bern ihre Lösung mit diesem Projekt koordiniert. Wir schlagen
vor, die Uferwege so herzurichten, dass Velofahrende und zu Fuss Gehende
reibungslos miteinander den Weg benutzen können. Wir stellen uns vor, dass dies an
mehreren Stellen eine Verbreiterung des Fussweges zur Folge hat. Diese Massnahmen
sind zumindest auf einer Uferseite zu verwirklichen, solange die finanziellen
Ressourcen oder die Machbarkeit es nicht auf beiden Uferseiten zulassen. Wir sind
uns bewusst, dass es wenige sehr Publikumsintensive Abschnitte (bspw. auf der
Höhe Tierpark) gibt, die für eine generelle Veloöffnung nicht geeignet sind. Das heutige
generelle Fahrverbot für Velofahrende ist aber auf anderen Abschnitten (bspw.
zum Lorrainebad, oder vom Camping Eichholz in die Stadt) nicht mehr zeitgemäss.
Ergänzend zu Verbreiterungen des Weges könnte wir uns auch Lösungen, nach dem
Vorbild von Thun vorstellen: Veloverbote an Tagen und zu Zeiten mit hohem Fussgängeraufkommen,
in den übrigen Zeiten kein Verbot. Zwischen dem Altenberg und
dem Lorrainebad müssen Velos jedoch zu allen Tageszeiten zirkulieren können.
Das Zufahrts- und Parkverbot für Autos muss baulich gesichert werden. Im Bereich
des Uferweges (Restaurant Altenberg) werden momentan regelmässig Autos direkt
am Rand des Uferweges abgestellt.
Im Folgenden nehmen wir Stellung zum Handlungsbedarf und zu Massnahmen im
gleichlautenden Kapitel des Berichts.
2. Neue Fusswegverbindungen
Wir begrüssen ausdrücklich alle fünf Massnahmen, die den Stadtteil V betreffen:
2.1 Aaresteg Engehalde (Nr. 10):
Wichtig scheint uns, dass diese Verbindung auch für Velos offen sein wird.
2.2 Anbindung des Lorraine-Quartiers an die Aare verbessern (Nr. 11)
Der Zugang mit Handlungsbedarf von der Gewerbeschule (Brechbühler-Bau) zu Aare
ist leider vergessen worden: Via „Mulde“ (Baulehrhalle der GIBB) führt ein Fussweg
parallel zur Lorrainebrücke zur Aare. Zum Teil haben Ausbauten der Gewerbeschule
dazu geführt, dass dieser Fussweg nur noch von Ortskundigen begangen wird. Die
überbreite Asphaltstrasse im oberen Teil ist für FussgängerInnen wenig attraktiv.
Hier könnte ein Teil der Strasse mit einem fussgängerfreundlicheren Naturbelag versehen
werden. Der untere Teil „im Wald“ ist attraktiver, aber schwer zu finden. Mit
einer guten Signalisation könnte hier viel erreicht werden.
2.3 Lorrainesteg (Nr. 12)
Wir gehen davon aus, dass es sich dabei um einen Steg auf Aareniveau handelt und
nicht um die im Agglomerationsprogramm enthaltene Velo/Fussverkehr-Hochbrücke.
Dieser Steg ist ein altes Anliegen und wäre sehr zu begrüssen. Auch hier wäre eine
Lösung für Velofahrende und zu Fuss Gehende zu realisieren.
2.4 Uferweg Altenberg (Nr. 13)
Hier müsste die Aufwertung des Uferweges mit der Wiederaufnahme der Planung
zum SFG aus den 80er Jahren (vgl. 3.1) kombiniert werden. Da auch die neue Liegewiese
des Lorrainebades im gleichen Bereich geplant wird, können gleich drei
spannende Neuanlagen kombiniert werden. Wichtig scheint uns in diesem Zusammenhang,
eine wirksame Fernhaltung von motorisierten Zweirädern vorzusehen.
2.5 Neuer Panoramaweg beim Salemspital (Nr. 14)
Die SP Bern-Nord hat schon bei der Mitwirkung zum Richtplan Fuss- und Wanderwege
einen Fussweg auf halber Höhe parallel zur Hangkante gefordert. Deshalb begrüssen
wir es, dass ein solcher Weg im Bericht enthalten ist. Für uns ist offen, ob
eine Wegführung, die in die Oranienburgstrasse mündet, die beste Lösung ist. Wir
favorisieren eher einen Weg, welcher etwas tiefer geführt, in die Lerberstrasse mündet.
Diese Route ist heute schon entlang der Gärtnereieinrichtungen begehbar. Ein
eigentlicher Weg besteht freilich noch nicht. Die Erstellung eines Weges wäre jedoch
sehr einfach. Unser Vorschlag der Wegführung kollidiert allerdings mit einem Projekt
aus Kapitel 4 des Berichtes „Potentielle Ergänzung des Siedlungegebietes“. Wie später
dargelegt wird, lehnen wir die Realisierung eines „Villengürtels“ am Aarehang
unterhalb des Salemspitals ab.
2.6 Neue Möglichkeiten von Panoramawegen
Den Vorschlag „Neuer Panoramaweg beim Salemspital (Nr. 14)“ begrüssen wir sehr
und möchten diesen gerne noch weiter entwickeln. Wir denken an einen Weg zwischen
Lorrainebad und Eisenbahnbrücke, welcher weiter oberhalb des Gassner-
Areals bis zu Lehrhalle in der „Mulde“ (vgl. oben) geführt wird. Von dort könnte der
Weg unter der Lorrainebrücke in einen neuen Zugang zum Botanischen Garten münden.
Eine Panorama-Wegverbindung vom Botanischen Garten unter der Kornhausbrücke
bis ins Salem-Areal scheint aus heutiger Sicht schwierig, müsste aber geprüft
werden. Vielleicht ergäben sich aber Teilstücke, aus denen zusammen mit bestehenden
Quartierstrassen ein attraktiver Fussweg parallel zur Aare resultieren würde.
2.7 Lift im Bereich Kornhaus- oder Lorrainebrücke
Um den Aareraum besser an den öV anzubinden, begrüssen wir zusätzliche Vertikalbzw.
Schräglifte wie sie im Bericht erwähnt werden. Aus Quartiersicht ist insbesondere
ein Verbindung wünschenswert, welche die Ebene nördliche Hangkante im Bereich
Kornhaus-/Lorrainebrücke mit dem Aareniveau verbindet. Wir begrüssen eine
Variante, in der Nähe einer öV-Haltestelle, die von Rollstuhlfahrenden, Eltern mit
Kinderwagen und Velofahrenden benutzt werden kann. Damit könnte nicht nur eine
öV-, Velo- und Fussverkehr-Netzlücke geschlossen werden, sondern wie im Bereich
Kirchenfeldbrücke ein Restaurant (Altenberg) und zusätzlich zahlreiche BewohnerInnen
im Altenberg / Rabbental erschlossen werden. Wir fordern, dass ein solcher Lift
(analog zum Lift Kirchenfeldbrücke) in den Massnahmekatalog aufgenommen wird.
3. Neugestaltung und Aufwertung öffentlicher Fusswegverbindungen
3.1 Wehrweg (Nr. 1)
Mit diesen Massnahmen sind wir mit Einschränkungen einverstanden. Die Verbreiterung
scheint uns heikel, wegen der physischen Zufahrtsmöglichkeit von PW’s. Es
müssten bauliche Massnahmen getroffen werden, damit Autos keinen Zugang zum
Wehrweg haben. Der bestehende Asphaltbelag ist für zu Fuss Gehende unattraktiv.
Die Verbreiterung würde die Chance eröffnen, einen Teil des Weges mit Naturbelag
auszustatten. Das hier gesagte gilt übrigens auch für den Uferweg (vgl. oben). Die
Massnahmen sollen die Kanalwirkung der Aare reduzieren. Das Eingangs erwähnte
Projekt aus den 80er Jahren (Renaturisierung des Aareufers) böte dazu eine geeignet
Grundlage und könnte als Hochwasserschutzprojekt ausgestaltet werden.
3.2 Botanischer Garten (Nr. 2)
Einverstanden. Zusätzlich könnte ein zweiter Zugang zum Botanischen Garten unterhalb
der Lorrainebrücke erstellt werden (vgl. 2.6).
4. Neugestaltung und Aufwertung öffentlicher Freiräume
4.1 Liegewiese neben Lorrainebad (Nr. 2)
Diese Massnahme ist aus unserer Sicht zu priorisieren. Sie wurde uns von der Stadt
seit längerer Zeit versprochen uns sollte demnach eigentlich längst realisiert sein.
Die bestehende Liegewiese in nördlichen Teil des Lorrainebades zeigt auf, dass die
Schattenplätze unter den Bäumen sehr gefragt sind. Das heisst, dass auf der neuen
Liegewiese möglichst rasch Bäume gepflanzt werden sollten. Die Velozufahrt ab der
Altenbergstrasse sollte unabhängig der übrigen Regelungen bezüglich Veloverkehr
auf diesem Abschnitt erlaubt werden.
4.2 Schütte Parkanlage (Nr. 4)
Wir befürchten, dass bei einer beabsichtigten parkähnlichen Gestaltung zu wenig
Rücksicht auf den Bestand an grossen Bäumen, insbesondere der Eichen, genommen
wird.
5. Potentielle Ergänzung des Siedlungsraumes
5.1 Gärtnerei unterhalb des Salemspitals (Nr. 1)
Wir sind etwas erstaunt, im Bericht Aareraumplanung von einem bisher noch nicht
diskutierten Projekt zu vernehmen, das in einer Schutzzone eine Überbauung vorsieht
und dem Grundsatz dieser Planung diametral widerspricht. Wir lehnen eine
Überbauung für schlecht ausgenutzten Wohnraum (Villen) in dieser Form ab. Einer
der Gründe ist oben schon genannt: Der Panoramaweg würde durch eine Überbauung
auf jeden Fall schwer beeinträchtigt. Der Ersatz der Gärtnerei durch eine parkähnliche
Gestaltung wäre dagegen eine grosse Chance, diese einzigartige Hanglage
gegenüber heute in einem urbanen Sinne aufzuwerten und für die Öffentlichkeit frei
zu geben. Was für uns allenfalls in Frage käme, wären kleinere Bauten mit einem
klaren Quartierbezug, nicht aber weitere Spitalbauten.
5.2 Gassnerareal
Dieses Areal ist für den Aareraum von grosser Bedeutung, wird aber leider im Bericht
nur am Rande erwähnt. Wir erwarten konkretere Vorschläge für die Aufwertung/
Umnutzung, sowohl was die Gebäude betrifft, als auch für ihre Umgebung.
5.3 Neubau der NMS
Zurzeit entsteht ein Neubau der NMS. Wenn dieser Neubau für zukünftige Bauten im
Aareraum beispielhaft gedacht sein sollte, wäre das u. E. ein schlechtes Signal. Wir
verstehen nicht, wie man dazu kommt, in einer Schutzzone derart massiv bauen zu
lassen.
5.4 Unterwerk von ewb gegenüber dem Lorrainebad:
Hier würde sich auf längere Sicht die Chance ergeben, vielleicht das Umgekehrte von
„Potentieller Ergänzung des Siedlungsraumes“ zu realisieren: Ein Rückbau dieses
Unterwerkes etwa als unterirdische Neuanlage oder die Verschiebung an einen weniger
störenden Ort? Im Bericht haben wir zu dieser Anlage nichts gefunden.
6. Aareraumplanung und Grossprojekte
6.1 Neuer Eisenbahnviadukt?
Bekanntlich ist der Bahnhof Bern an den Grenzen seiner Kapazität angelangt. Es
laufen Planungen, die auf einen neuen Tiefbahnhof abzielen. Dabei sind verschiedene
Varianten denkbar. Eine dieser Varianten ist aus der Sicht der Aareraumplanung
fatal: Ein neuer paralleler Bahnviadukt, der auf der Aareseite parallel zum bestehenden
Viadukt geführt würde. Aus Sicht der Aareraumplanung muss sich die Stadt
Bern nach unserer Ansicht in die Planung einschalten. Zu Fördern wäre allenfalls eine
Alternative: Eine neue Eisenbahnbrücke über die Aare parallel zur bestehenden Autobahnbrücke
mit der Weiterführung des Bahntrassees in einem Tunnel unter der
Länggasse. Problematisch ist der Umstand, dass die erste Variante mit dem neue
Viadukt als einzige planerisch weiter verfolgt wurde und offenbar favorisiert wird.
Sicher ist auch eine neue Eisenbahnbrücke über die Aare nicht unproblematisch, sie
wäre aber für den Aareraum weitaus das kleinere Übel.
6.2 Neue Hochbrücke für den Fuss- und Veloverkehr
Diese Brücke ist im Velo-Richtplan des Kantons enthalten. Sie findet sich auch im
Agglomerationsprogramm, was eine Finanzierung als wahrscheinlich erscheinen
lässt. Das heisst, dass die Stadt Bern auch aus der Sicht der Aareraumplanung zu
einer solchen Brücke Stellung nehmen müsste. Die SP Bern-Nord ist der Meinung,
der verkehrspolitische Nutzen sei höher zu gewichten, als eine allfällige Beeinträchtigung
des Aareraumes.
Wir hoffen, dass Sie unsere Vorschläge wohlwollend prüfen und in die weitere Bearbeitung
der Planung einfliessen lassen.
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