für alle statt für wenige

SP Bern-Nord diskutiert über die hauseigene Frauenförderung mit hochkarätigen Gästen


Im September 2017

Die SP-Sektion des Berner Nordquartiers hat am Montagabend zu einer öffentlichen Veranstaltung mit dem Titel „Frauenförderung in der SP – notwendig oder überholt?“ in der Lorraine eingeladen. Das Publikum diskutierte nach den Inputs von Politologin Regula Stämpfli, JUSO-Präsidentin Tamara Funiciello und Nationalrätin Min Li Marti über Entwicklungen und Herausforderungen.

Im SP-Parteiprogramm zum Thema Gleichstellung der Geschlechter steht: „Nur ein beherztes und hartnäckiges Engagement bringt die Gleichstellung voran.“ Das Ziel des Abends war es also, zu diskutieren, wie es in der Parteirealität ausschaut damit und wo mögliche Stolpersteine für Frauen und ihre politischen Karrieren/Engagements zu verorten sind.

Nach einem wissenschaftlichen Input von Regula Stämpfli zu den Entwicklungen der grossen Schweizer Parteien in Bezug auf das Thema Gleichstellung der Geschlechter, folgten Beiträge von JUSO-Präsidentin Tamara Funiciello und Min Li Marti, Nationalrätin, Mitglied der Geschäftsleitung der SP Frauen.

Regula Stämpfli betont in ihrem Input, dass man stets das Machbare machen, aber das Wünschbare nicht aus den Augen verlieren dürfe. Dies gilt auch punkto Frauenförderung. Als positiv in der heutigen Politik erachtet sie, dass rot grün am meisten Frauen in politischen Gremien stellen. Insbesondere die Frauenliste ist in Bern sehr erfolgreich. Sie ist der Meinung, dass die Frauen momentan in der Politik nur gewinnen, wenn auch linksgrün gewinnt.

Frauenförderung kann vielschichtig erfolgen. Regula Stämpfli erachtet insbesondere Quoten als wichtiges Tool, damit Frauen in Gremien gewählt werden. Auch die Medien können ihren Teil an der Gleichstellung beitragen, indem sie gezielt dokumentieren, was (SP) Frauen erreichen.

Anschliessend werden die beiden Gäste auf das Podium gebeten und der Fokus fällt von nun an auf die effektive Frauenförderung innerhalb der SP. Auf die Frage, ob Tamara Funiciello und Min Li Marti bereits einmal an eine gläserne Decke gestossen seien, erfolgt die Feststellung, dass wir wieder Unterstützungsstrukturen von Frauen für Frauen brauchen, welche es in den 90ern gab (Stämpfli erwähnt „Bodyguards“ bei öffentlichen Auftritten), aber dann abgeschafft wurden. Aus diesem Grund sind auch die SP Frauen so wichtig.

Auf die Frage, welche Tools wichtig sind für eine gezielte Frauenförderung in der SP antwortet Min Li Marti ohne zu zögern mit der Frauenquote. Es funktioniere nicht anders. Die strategische Personalplanung fehle momentan in der SP. Funiciello ist ebenfalls der Meinung, dass Quoten ein wichtiges Instrument darstellen. Sie ergänzt aber, dass sich Frauen auch vernetzen müssen und gezielt feministische Bildung betrieben werden muss. Den Männern muss bewusst gemacht werden, dass sie Privilegien haben und lernen müssen, mit diesen umzugehen.

In der SP Stadt Bern kommt es immer häufiger vor, dass Männer ihre Wahlchancen als geringer einschätzen als jene der Frauen. Auf diese „Problematik“ entgegnet Min Li Marti, dass eine 50/50 Verteilung durchaus keine Diskriminierung darstelle, im Gegenteil. Laut Funiciello müssen die Männer lernen, Machpositionen zugunsten der Frauen abzugeben. Regula Stämpfli ergänzt, dass es bei Wahlen primär um die Politik und nicht um die eigene Karriere gehen soll. Sollte ein Mann mal nicht auf Anhieb gewählt werden, gibt es ja für die Zeit dazwischen viele tolle Ämter, in denen man auch diese Politik vorantreiben kann, z.B. in einer Schulkommission, Studien erstellen etc.

Das Fazit der Diskussion geht in die Richtung, dass Frauenförderung bereits an der Basis aktiv betrieben werden muss. Die SP ist zwar auf gutem Weg, aber noch lange nicht am Ziel. „Die SP Bern-Nord wird diese Elemente nun in ihre Arbeit einfliessen lassen, denn die Sektion setzt sich dafür ein, dass jede und jeder das Leben entsprechend Fähigkeiten und Neigungen gleichberechtigt gestalten kann!“.

Auskünfte
Milena Eichenberger, milena.eichenberger@gmx.ch, 079 598 67 09
Annina Grob, annina.grob@gmail.com, 079 785 06 14

Weiterführende Informationen
Strategie der SP Bern-Nord für die Jahre 2016 – 2019