für alle statt für wenige

Immer einen Schritt zu weit gehen – von Utopistinnen und Träumern


Im Oktober 2016

Eigentlich soll ich hier etwas darüber schreiben, wieso ihr mich in den Stadtrat wählen solltet. Ich möchte euch aber sagen: Engagiert euch selbst! Stellt euch eine andere Welt vor, erträumt sie euch – und kämpft dafür.

Vor nicht allzu langer Zeit war ich mit der Alt-Nationalrätin und früheren Gemeinderätin Gret Haller auf einem Podium zum Thema Feminismus. Und da hat Gret Haller einen Satz zitiert, der mir geblieben ist: Feminismus heisst, immer einen Schritt zu weit zu gehen (Sinngemäss). Nicht den Konsens suchen, nicht sich überzeugen lassen, dass es zwar gut wäre etwas zu tun aber eben leider nicht geht. Nein, es geht darum sich zu engagieren, zu fordern und – zu träumen. Kurz: Einen Schritt zu weit gehen.

Ich werde so oft als Utopistin und Idealistin bezeichnet, ich kann es nicht mal mehr zählen (und um es hier auch mal gesagt zu haben, weil mich das nämlich riesig nervt: ich bin Marxistin und somit genau das Gegenteil von Idealistin, nämlich Materialistin. Sonst lest es nach liebe Nörgler*innen.). Und zwar in einem Ton, als wäre es etwas Schlechtes. Als wäre es etwas Schlechtes etwas Anderes zu wollen, als das, was wir heute haben. Als wäre es etwas Schlechtes, das heutige System in Frage zu stellen, zu kritisieren. Als wäre es etwas Schlechtes, an eine bessere Welt zu glauben. Als wäre es etwas Schlechtes mit der grossen Kelle zu schöpfen, statt immer nur mit einem Teelöffel.

Die Welt ist kompliziert und verworren. Dennoch ist es manchmal gut, wenn wir versuchen sie auf das Wesentliche zu reduzieren. Das ist es, was junge Menschen können und einer der Gründe wieso ich in der JUSO aktiv bin. Der unbeirrbare Glauben, dieser jungen Menschen, die Welt verändern zu können, ist mein Ansporn es jeden Tag zu versuchen. Und daher möchte ich euch dazu einladen: traut euch auch. Traut euch, an etwas Anderes zu glauben, traut euch Forderungen zu stellen, traut euch einen Schritt zu weit zu gehen. Und ihr werdet schnell merken, wie befreiend das ist.

Und wenn ihr euch getraut habt, euch diese Welt vorzustellen, dann kämpft dafür. Setzt euch ein, engagiert euch, macht mit. Denn es ist vielleicht nicht unsere Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Aber es ist unsere Schuld, wenn sie so bleibt.

Um es also in den Worten John Lennons zu sagen:

“You may say I’m a dreamer. But I’m not the only one. I hope someday you’ll join us. And the world will live as one.“

Tamara-Funiciello